Bonus-Leitfaden: Flora & Fauna erfassen und messbar inkl. Download Mustervorlagen
Flora und Fauna erfassen
Viele Unternehmen schaffen bereits Blühflächen, pflanzen heimische Stauden oder stellen Nisthilfen für Wildbienen auf – aber oft bleibt unklar: Welche Arten profitieren eigentlich davon? Und wie kannst du zeigen, dass sich deine Maßnahmen wirklich lohnen?
Mit diesem Bonus-Leitfaden bekommst du eine praxisnahe Anleitung, wie du Pflanzen-, Vogel- und Kleintierarten auf deinem Gelände einfach erfassen und über die Jahre monitoren kannst – auch ohne biologische Vorkenntnisse.
Hier kannst du dir beide Muster-Tabellen als Excel-Dateien und diesen Beitrag nochmal etwas ausführlicher als PDF kostenlos herunterladen.
Warum es sich lohnt, Arten systematisch zu erfassen
Wenn du regelmäßig beobachtest, welche Pflanzen, Insekten und Kleintiere sich auf euren Flächen zeigen, kannst du gleich mehrere Fragen beantworten:
- Welche konkreten Arten haben wir auf unseren Biodiversitätsflächen – und kommen neue hinzu?
- Nehmen Vielfalt und Anzahl der Arten über die Jahre zu?
- Welche Maßnahmen (z.B. Blühfläche, Totholz, Wasserstellen) funktionieren besonders gut?
- Welche Kennzahlen zur Artenvielfalt können wir in Berichte, Kund:innenpräsentationen oder Förderanträge übernehmen?
Du musst dafür keine Biologin oder kein Biologe sein. Ein offener Blick, etwas Neugier und Unterstützung durch Apps, Datenbanken und einfache Excel-Tabellen reichen aus, um aussagekräftige Daten zu sammeln und auszuwerten. So kannst du deine Biodiversitätsmaßnahmen noch einmal ganz anders konkret greif- und messbar machen.
Pflanzenarten erfassen – von der groben Übersicht bis zur Artenliste
Schritt 1 – Einfache Übersicht deiner Pflanzengruppen
Zum Einstieg reicht eine erste Übersicht, welche Pflanzengruppen bei euch vorkommen, z.B.:
- Zierpflanzen
- essbare Pflanzen (Obst, Gemüse)
- Kräuter
- ein- und mehrjährige Blühstauden
- Gehölze und Sträucher
- Wildblumen für Wildbienen
Je vielfältiger dieser Mix, desto größer das Potenzial für Insekten, Vögel und andere Kleintiere.
Zeitpunkt-Tipp: Erfassung nach den Hauptpflanzzeiten, z.B. einmal im Frühjahr und einmal im Herbst.
Schritt 2 – Kontinuierliches Monitoring mit Excel
Für die laufende Dokumentation nutzt du die Vorlage „Flora_Monitoring_Pflanzenerfassung.xlsx“.
Dort hältst du fest:
- Pflanzengruppe (z.B. „Wildblumen für Wildbienen“)
- optional: genaue Art (z.B. „Wiesen-Salbei“)
- Beobachtungs- und Pflanzdaten (Datumsspalten)
- Bemerkungen (z.B. „sehr viele Wildbienen“, „hat sich von selbst angesiedelt“)
- Kennzeichnung als Zeigerart (ja/nein)
So erkennst du im Zeitverlauf, wie sich deine Pflanzenauswahl entwickelt und welche Arten besonders wertvoll für die Biodiversität sind.
Apps & Datenbanken – Pflanzen bestimmen und Biodiversitätspotenzial auswerten
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, kannst du Pflanzen per App bestimmen und dein Biodiversitätspotenzial genauer analysieren.
Empfohlene Pflanzen-Apps & Datenbanken
Zur Bestimmung von Pflanzenarten:
- Flora Incognita (kostenlos, deutsch, wissenschaftlich getragen)
- iNaturalist (weltweite Community, auch deutsch nutzbar)
- optional: PictureThis (Freemium-Modell)
Zur Bewertung des Biodiversitätspotenzials:
- NaturaDB – zeigt, wie wertvoll deine Pflanzen für Insekten und Vögel sind und welche Standortbedingungen sie brauchen.
Schritt-für-Schritt mit Apps & NaturaDB
- Pflanzen auf euren Flächen mit einer Bestimmungs-App erfassen.
- Account und Artenliste in NaturaDB (Webbrowser oder App) anlegen und deine Pflanzen eintragen.
- Auswerten lassen:
- Ergebnisse als:
- Ergänzung deiner Excel-Tabelle Flora_Monitoring_Pflanzenerfassung.xlsx
- oder als PDF-Bericht aus NaturaDB für deine Unterlagen nutzen.
So bekommst du konkrete Zahlen und Auswertungen, die du später direkt in Berichte übernehmen kannst.
Habitate & Strukturen erfassen – was macht dein Gelände zur „ökologischen Insel“?
Nicht nur Pflanzen, sondern auch Lebensraumstrukturen sind entscheidend dafür, ob sich Tiere dauerhaft ansiedeln.
Hilfreiche Fragen für deine Flächen:
- Welche Elemente zur Förderung für Insekten, Vögel und weitere Kleintiere sind vorhanden?
- Nisthilfen (Vögel, Insekten)
- Wasserstellen
- Totholz, Stein- oder Laubhaufen
- Fassadenbegrünung, vertikale Beete
- Sandarium, offene Bodenstellen, Hummelburgen
- Breites Blühspektrum als Nahrungsquelle übers Jahr
- Hast du die Bodenbeschaffenheit angepasst (z.B. magere Bereiche für Wildblumen angelegt)?
Diese Informationen helfen dir, Lebensräume im Ganzen zu denken – und später im Reporting nachvollziehbar zu beschreiben, welche Strukturen ihr geschaffen habt.
Fauna-Monitoring – Insekten, Vögel & andere Kleintiere beobachten
Insekten, Vögel und andere Kleintiere sind oft die sichtbarsten Erfolgsindikatoren deiner Maßnahmen.
Schritt 1: Einfache erste Erfassung
Für ein niedrigschwelliges Monitoring genügen zwei Fragen:
- Wann wurde beobachtet?
- Datum
- Tageszeit
- Wetterbedingungen (z.B. sonnig, windstill, nach Regen)
- Welche Tiergruppen wurden gesehen?
- Wildbienen (z.B. Hummeln, Sandbienen, Blattschneiderbienen)
- Falter (Tag- und Nachtfalter)
- Käfer, Wanzen, Spinnen, Ameisen
- Vögel
- andere Kleintiere (Freitext)
Schritt 2: Systematisch dokumentieren mit Excel
Für die Wiederholungsmessungen nutzt du die Vorlage „Fauna_Monitoring_Tierbeobachtung.xlsx“.
Darin erfasst du:
- Tiergruppe und optional genaue Art
- mehrere Beobachtungszeitpunkte (Datumsspalten)
- Beobachtungsbedingungen (Wetter, Uhrzeit)
- Kennzeichnung als Zeigerart (ja/nein)
Wichtig: Viele Insekten sind nur kurze Zeit im Jahr sichtbar und ggf. wirst du sie im Rahmen deiner Erfassung nicht „erwischen“. Für den Einstieg reicht dennoch eine Erfassung pro Jahr (z.B. im Sommer zwischen Juni und September).
Insekten-Apps & Citizen-Science-Plattformen
Wenn du genauer wissen möchtest, welche Art vor dir sitzt, helfen spezialisierte Apps und Plattformen.
Empfohlen werden u.a.:
- Picture Insect – zur Insektenbestimmung per Foto
- iNaturalist – internationale Community mit großer Artenbasis
- Observation.org / ObsIdentify – stark für europäische Arten, KI-gestützt
- NABU Insektensommer – Web-App und Mitmachaktion für einfache Insektenzählungen
Du kannst:
- Screenshots der Bestimmung aufbewahren
- Artnamen in deine Fauna-Excel-Tabelle übernehmen
- besonders spannende Arten als Zeigerarten markieren.
Zeigerarten: Warum manche Arten besonders aussagekräftig sind
Zeigerarten (Indikatorarten) zeigen dir, wie hochwertig dein Lebensraum ist.
Beispielhaft seien hier genannt:
- Pflanzen: Wilde Möhre, Wiesen-Salbei, Natternkopf – typisch für magere, nährstoffarme Standorte.
- Wildbienen: Sandbienen, Blattschneiderbienen – brauchen spezielle Nistbedingungen.
- Schmetterlinge: Schwalbenschwanz, Tagpfauenauge – angewiesen auf vielfältige Blühangebote.
Mit der Zusatzspalte „Zeigerart (ja/nein)“ in deinen Excel-Tabellen kannst du solche Arten markieren und später nachweisen, dass eure Flächen nicht nur bunt, sondern ökologisch wertvoll sind.
NaturaDB unterstützt dich zusätzlich dabei, zu einer gesuchten Art passende Pflanzen und Standortbedingungen zu finden – so kannst du Biodiversität quasi gezielt „anpflanzen“.
Wie das alles in dein Reporting passt
Die Daten aus dem Praxisleitfaden lassen sich direkt mit deinem Biodiversitäts-Reporting-Leitfaden für KMU verknüpfen:
- Flächentabellen & Projekte
- Tabelle1_Standorte_Flaechen.xlsx
- Tabelle2_Projekte_Kooperationen.xlsx
- Arten- & Monitoringdaten
- Flora_Monitoring_Pflanzenerfassung.xlsx
- Fauna_Monitoring_Tierbeobachtung.xlsx
Mögliche zusätzliche Kennzahlen für Berichte:
- Anzahl beobachteter Wildbienen-Arten pro Jahr
- Entwicklung der Gesamt-Artenvielfalt über mehrere Jahre
- Anzahl nachgewiesener Zeigerarten
- dokumentierte Lebensraumstrukturen (z.B. Anzahl Nisthilfen, Sandarien, Wasserstellen)
Damit kannst du Kund:innen, Mitarbeitende oder Fördermittelgeber nicht nur mit Flächenangaben, sondern auch mit konkreter, beobachteter Artenvielfalt überzeugen.
Fazit: Kleine Flächen und Schritte, große Wirkung – und viel Freude am Beobachten
Wenn du einmal im Jahr bewusst hinschaust, Pflanzen bestimmst, Insekten beobachtest und das Ganze in einfachen Tabellen festhältst, entsteht daraus:
- ein wachsendes Bild der Artenvielfalt auf euren Flächen
- handfeste Kennzahlen für euer Nachhaltigkeitsreporting
- und ganz nebenbei: viel Staunen über das Leben, das sich auf euren Biodiversitätsflächen ansiedelt.
Jede dokumentierte Blühfläche, jede Wildbiene und jede Beobachtung hilft dir, Biodiversität besser zu verstehen – und sichtbar zu machen, was ihr bereits leistet.
Hol dir hier die Excel-Vorlagen
Wenn du loslegen möchtest, brauchst du nur folgende Bausteine:
- Flora_Monitoring_Pflanzenerfassung.xlsx – Erfassung Pflanzen
- Fauna_Monitoring_Tierbeobachtung.xlsx – Erfassung Insekten, Vögel und Kleintiere
- Bonus-Leitfaden – dieser Beitrag etwas ausführlicher als PDF
Lade dir hier die Musterdateien als Excel-Vorlagen herunter, nehmt euch 1-3 Stunden Zeit in eurem grünen Projekt, erfasst was ihr beobachtet und ihr habt den Grundstein für eure erste konkrete Biodiversitäts-Auswertung schon gelegt.
Schau auch diese Blogbeiträge zu diesem Thema an:
Teil 1: Einführung eigene lokale Biodiversitätsstrategie & -Maßnahmen definieren und umsetzen inkl. Mustervorlagen zum Download
Teil 2: Leitfaden – lokale Biodiversität erfassen & berichten für KMU inkl. Mustervorlagen
Dieser Bonus-Leitfaden ergänzt unseren Beitrag ‚Leitfaden: Lokale Biodiversität erfassen & berichten – Einfach und praxisnah für KMU‘. Lies dort, wie du Flächen, Projekte und Maßnahmen berichtsreif nach offiziellen Standard strukturierst und nutze diesen Artikel hier, um die konkrete Artenvielfalt auf euren Flächen zu erfassen und zu monitoren. Gemeinsam ergeben beide Beiträge ein vollständiges Set, mit dem du Biodiversitätsmaßnahmen konkret sichtbar machen und professionell berichten kannst.






