Leitfaden: mit Außenbeleuchtung Biodiversität schützen – und Kosten sparen
Biodiversität, auch nachts ein Thema
Außenbeleuchtung ist für viele Unternehmen ein fester Bestandteil des Betriebsgeländes: Sie sorgt für Orientierung, Sicherheit und setzt Gebäude und Marken in Szene. Gleichzeitig hat Licht bei Nacht direkte Auswirkungen auf Insekten, Vögel, Fledermäuse und auf uns Menschen. Künstliches Licht verändert den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und trägt zur Lichtverschmutzung bei, also zur Aufhellung des Nachthimmels durch Kunstlicht.
Die gute Nachricht: Schon mit wenigen Anpassungen können Unternehmen ihre Außenbeleuchtung so gestalten, dass Biodiversität geschützt, Energie gespart und zugleich Sicherheit und Nutzbarkeit erhalten bleiben. Dieser Leitfaden zeigt, wie das Schritt für Schritt funktioniert und wie ein typischer Einzelstandort mit Gebäude und Außengelände zum Praxisbeispiel wird.
Warum Außenbeleuchtung ein Thema der Biodiversität ist
Viele Tierarten sind auf Dunkelheit angewiesen. Nachtaktive Insekten, Fledermäuse oder bestimmte Vogelarten orientieren sich an natürlichen Lichtquellen wie Mond und Sternen. Grell beleuchtete Flächen, kaltweiße Leuchten und Dauerlicht stören diese Orientierung: Insekten kreisen bis zur Erschöpfung um Lichtquellen, werden leichte Beute oder sterben an Erschöpfung, während Fledermäuse und andere Arten wichtige Lebensräume verlieren. Siehe auch: https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/die-dunkle-seite-des-lichts-beleuchtung-in-der-nacht-bedroht-insekten/ oder https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/biodiversitaet/warnsignal_klima-die_biodiversitaet-kapitel-2_7.pdf
Für Unternehmen wird das Thema zunehmend relevant: Licht gilt wie Lärm als Umwelteinwirkung. Zudem rücken Biodiversität und Lichtimmissionen stärker in den Fokus von Regulierungen und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Außenbeleuchtung ist damit kein „reines Technikdetail“, sondern ein Baustein im Biodiversitäts- und Klimamanagement von Unternehmen.
Ziel: eine nachtfreundliche Beleuchtung am Unternehmensstandort
Nachtfreundliche Außenbeleuchtung bedeutet nicht „alles bleibt dunkel“. Es geht darum, Licht gezielt, bedarfsgerecht und möglichst naturverträglich bzw. streuungsarm einzusetzen. Drei Prinzipien stehen dabei im Vordergrund:
- So viel Licht wie nötig, so wenig wie möglich
- Warmes, insektenfreundliches Licht statt greller, kaltweißer Beleuchtung
- Licht nur dort, wo es wirklich gebraucht wird und nur dann, wenn es gebraucht wird
Unternehmen können so Biodiversität schützen, Energie- und Wartungskosten reduzieren (siehe auch: https://www.sichereslicht.de/news/co2-einsparung-durch-led/) und das Wohlbefinden von Mitarbeitenden und Anwohner:innen steigern.
Schritt 1: Ist-Zustand der Außenbeleuchtung erfassen
Am Anfang steht der Überblick: Wie sieht eure Außenbeleuchtung heute aus? Ein kurzer Rundgang über das Gelände – am besten in der Dämmerung oder bei Nacht – hilft, den Ist-Zustand zu sehen und zu erfassen.
Stellt euch dabei u.a. folgende Fragen:
- Wo befinden sich Leuchten?
Beispiele: Parkplätze, Zufahrten, Wege, Eingänge, Ladezonen, Fassaden, Werbeanlagen, Firmenlogos. - Welche Leuchtmittel und Leuchten werden verwendet?
Nutzt ihr noch Halogen- oder Natriumdampflampen oder bereits LED? Sind die Leuchten eher kaltweiß oder warmweiß? - Wann brennt welches Licht?
Gibt es Bereiche mit Dauerlicht über die ganze Nacht? Werden Timer oder Bewegungsmelder genutzt? - Welche Flächen werden mit beleuchtet?
Strahlen Leuchten in den Himmel, in Baumkronen, Sträucher oder über Grundstücksgrenzen hinaus?
Dokumentiert den Standort auf einem einfachen Lageplan, markiert Leuchten und notiert kurz, wofür sie genutzt werden. Das erleichtert spätere Entscheidungen und macht das Thema anschlussfähig an Energie- oder Umweltmanagement.
Schritt 2: Sensible Bereiche erkennen
Nicht jede Leuchte ist gleich problematisch. Besonders relevant für Biodiversität sind Bereiche, in denen Licht direkt in oder auf naturnahe Strukturen fällt. Achtet zum Beispiel auf:
- Bäume, Hecken, Stauden, Grünstreifen, Fassadenbegrünung in unmittelbarer Nähe von Leuchten
- Gewässer, Retentionsbecken oder Feuchtbereiche am Gelände
- Übergänge zum Umland, insbesondere in ländlichen Lagen oder in der Nähe von Schutzgebieten
Hier ist der Effekt von Licht auf Insekten, Fledermäuse und Vögel besonders groß. Maßnahmen in diesen Bereichen haben meist den größten Nutzen bei gleichzeitig überschaubarem Aufwand.
Schritt 3: Lichtfarbe, Ausrichtung und Intensität optimieren
Anstatt überall komplett neue Technik zu installieren, lässt sich oft schon mit Anpassungen an bestehender Beleuchtung viel erreichen. Drei Stellschrauben sind besonders wirksam:
Warmes, insektenfreundliches Licht
Kaltweiße LEDs mit hohem Blauanteil wirken für viele Menschen „hell und modern“, sind aber aus Sicht der Biodiversität problematisch. Warmweiße oder amberfarbene Leuchten mit niedriger Farbtemperatur (idealerweise unter 2700 Kelvin) sind deutlich insektenfreundlicher.
Wenn ihr bestehende LED-Außenfluter habt, ist eine vollständige Umrüstung nicht immer sofort nötig. In vielen Fällen lässt sich das Spektrum über geeignete Filter oder Folien so verändern, dass der Blauanteil reduziert und das Licht in einen warmen, orange-goldenen Bereich verschoben wird. Ein Beispiel einer solchen Folie wäre dieses Produkt hier: https://amzn.to/4vokbdd




Licht nach unten – nicht in den Himmel
Licht sollte konsequent auf die Fläche gerichtet sein, die tatsächlich beleuchtet werden soll: Wege, Parkplätze, Ladezonen, Eingänge. Strahlt eine Leuchte in den Himmel, in Baumkronen, in Nachbargärten oder auf ungenutzte Flächen, entsteht unnötige Lichtverschmutzung.
Prüft daher bei euren Flutern:
- In welchem Winkel strahlen sie?
- Könnt ihr sie so nachjustieren, dass sie nur noch den wirklich benötigten Bereich treffen?
- Sind Blenden oder Abschirmungen möglich, um Streulicht zu reduzieren?
Helligkeit und Betriebszeiten anpassen
Viele Außenflächen sind deutlich heller beleuchtet, als es für Orientierung und Sicherheit nötig wäre. Gerade bei LEDs lohnt es sich, Helligkeitsniveaus zu überprüfen und ggf. zu reduzieren.
Zusätzlich gilt: Nicht jede Leuchte muss die ganze Nacht durchbrennen. Kombinationen aus Zeitschaltuhren, Dimmung und Bewegungsmeldern helfen, Licht dann bereitzustellen, wenn es wirklich benötigt wird, beim Schichtwechsel, beim Anliefern oder beim späten Verlassen des Geländes.
Bewegungssensoren und Zeitsteuerungen aktivieren Licht nur bei Bedarf. Details zu technischen Lösungen findest du dazu u.a. hier: https://www.baunetzwissen.de/licht/fachwissen/lichtsteuerung–management/schnittstellen-fuer-die-drahtlose-steuerung-der-beleuchtung-5561467
Das Unternehmen August Müller Lichttechnik in Berlin hat einen ausführlichen Ratgeber zum Thema Lichtverschmutzung und LED online verfasst. Der Beitrag erklärt praxisnah, was Lichtimmission bei Außenbeleuchtung bedeutet, wie Streulicht, Blendung und unerwünschte Lichtabstrahlung entstehen und worauf Unternehmen bei einer gezielten, umgebungsverträglichen LED-Beleuchtung achten sollten. Den Beitrag gibt es hier: https://www.augustmuellerlichttechnik.de/led-wissen/lichtimmission

Schritt 4: Praxisbeispiel – Einzelstandort mit Gebäude und Außengelände
Um die Umsetzung greifbar zu machen, hier ein Praxisbeispiel, wie ein typischer KMU Unternehmensstandort seine Außenbeleuchtung biodiversitätsfreundlich weiterentwickelt hat. In diesem Fall am Beispiel des NIRGENDWO – Umweltbildungszentrum, Kulturbühne und Eventlocation mit Abendbetrieb bei gebuchten Veranstaltungen.
Ausgangslage am Standort
Der Standort besteht aus einem Hauptgebäude mit umliegenden Flächen: ein großer begrünter Außenbereich und Garten, Gastflächen, Gastronomiebereiche, Zufahrt, Fußwege und eine Anlieferzone. Über das Gelände hinweg befindet sich umliegend ein kleiner öffentlicher Park. Die Außenbeleuchtung wurde in den vergangenen 10 Jahren auf LED-Fluter umgestellt, die überwiegend kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil aussendeten.
Mehrere Leuchten waren so ausgerichtet, dass sie nicht nur den Boden, sondern auch Fassade, Baumkronen, Sträucher und Stauden, Garten und Teile des Himmels aufhellten. Gerade die Eventbeleuchtung für stimmungsvolle Abendveranstaltungen hatte bisher Bäume, Sträucher – sprich den schön als Garten gestalteten Gastbereich – mit verschiedenen Farben von unten in Szene gesetzt.
Aus Sicherheitsgründen werden außerdem einige Fluter rund ums Gebäude per Dauerlicht über die ganze Nacht betrieben – unabhängig davon, ob Veranstaltungen stattfinden und tatsächlich Personen auf dem Gelände sind.
Umgesetzte Maßnahme: Folien in warmweiß/orange auf bestehenden LED-Flutern
Anstatt sofort alle Leuchten auszutauschen, hat sich das Unternehmen entschieden, schrittweise vorzugehen und vorhandene LED-Fluter aufzuwerten:
- auf ausgewählten Leuchten wurden geeignete Folien in warmweiß/orange eingesetzt, um den Blauanteil des Lichtes zu reduzieren und das Licht in einen insektenfreundlicheren, warmen Bereich zu verschieben
- dabei wurden gezielt Leuchten ausgewählt, die in sensiblen Bereichen (nahe Grünflächen, Bäumen oder Hecken) montiert sind
- parallel wurden die Fluter so nachjustiert, dass sie konsequent nach unten auf Flächen und Wege strahlen und nicht mehr ungenutzte Flächen, Natur oder den Himmel aufhellen
In einem nächsten Schritt wurden an stärker frequentierten Bereichen Bewegungsmelder installiert und Betriebszeiten angepasst. Dauerlicht über die gesamte Nacht wurde auf definierte Zeitfenster reduziert.
Erste Ergebnisse und Erfahrungen
Schon nach kurzer Zeit lassen sich auf mehreren Ebenen Effekte beobachten:
- Das warme, gerichtete Licht wird von Mitarbeitenden als angenehmer beschrieben; Blendungen nehmen ab, Wege bleiben gut erkennbar.
- In unmittelbarer Nähe zu Bäumen, Hecken und Grünflächen ist deutlich weniger Insektenkonzentration direkt an den Leuchten sichtbar; gleichzeitig bleiben naturnahe Bereiche dunkler und attraktiver für nachtaktive Arten.
- Durch angepasste Betriebszeiten und den Einsatz von Bewegungsmeldern sank der Energieverbrauch der Außenbeleuchtung und damit langfristig auch die Stromkosten.
Das Praxisbeispiel zeigt: Schon mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen wie Folien, Ausrichtungsänderungen und intelligenter Steuerung lässt sich Außenbeleuchtung biodiversitätsfreundlicher gestalten – ohne groß angelegte Umbauprojekte und ohne Sicherheitskompromisse.
Tipp: Bildergalerie mit Licht im Vorher-Nachher-Vergleich
Zur Visualisierung der Veränderungen bietet sich eine Bildergalerie an, die die Wirkung der Maßnahmen sichtbar macht:
- Gesamtansicht des Geländes vor der Umrüstung: kaltweißes Licht, sehr helle Flächen, deutliche Aufhellung von Fassaden und Bäumen
- Gesamtansicht nach der Umrüstung: warmweißes bis orangefarbenes Licht, fokussierte Ausleuchtung von Wegen und Parkplätzen, deutlich dunklerer Himmel
- Detailbilder der Fluter mit und ohne Folie
- Perspektive aus Sicht der Mitarbeitenden auf dem Parkplatz oder am Eingang: weniger Blendung, angenehmeres, ruhigeres Licht
Diese Visualisierung hilft anderen Unternehmen, die Veränderung nachzuvollziehen – und macht deutlich, dass es nicht darum geht, „Licht abzuschalten“, sondern es gezielter und naturverträglicher einzusetzen.
Schritt 5: Einbindung in Strategie, Organisation und Reporting
Nachtfreundliche Außenbeleuchtung lässt sich gut in bestehende Strukturen integrieren:
- Verankert das Thema in Verantwortungsteams: z.B. Facility Management, Energie- oder Umweltmanagement, Nachhaltigkeitsteams oder Health & Safety.
- Nutzt die Umstellung als Anlass, Mitarbeitende einzubinden: z.B. über kurze Infoformate, Rundgänge oder Teamtage, bei denen die Wirkungen von Licht auf Biodiversität erklärt werden.
- Dokumentiert Maßnahmen und Effekte: Anzahl der umgestellten Leuchten, Anteil warmweißer Beleuchtung, Reduktion von Betriebsstunden, geschätzte Energie- und Kosteneinsparungen.
Diese Dokumentation kann direkt in eure Nachhaltigkeitsberichte oder in vorbereitende Unterlagen für zukünftige Berichtspflichten einfließen. Außenbeleuchtung wird so vom „Randthema“ zu einem sichtbaren Baustein eurer Biodiversitäts- und Klimastrategie. Unten findest du empfohlene nächste Links zu kostenlosen Leitfäden und Mustervorlagen rund um Strategie, Ziele, Maßnahmen und Dokumentationen eurer Biodiversitätsförderung. Oder direkt hier: https://mission-biodiversitaet.de/leitfaden-vorlagen-biodiversitaet/
Nächste Schritte für euer Unternehmen
Wenn ihr eure Außenbeleuchtung biodiversitätsfreundlicher gestalten möchtet, könnt ihr mit einem Pilotbereich starten:
- Wählt einen klar abgegrenzten Bereich (z.B. einen Parkplatz oder eine Gebäudeseite).
- Erfasst den Ist-Zustand: Leuchten, Lichtfarbe, Betriebszeiten.
- Definiert einfache Maßnahmen: Folien für bestehende Fluter, Anpassung der Ausrichtung, Einsatz von Bewegungsmeldern.
- Dokumentiert Veränderungen und Beobachtungen, gern auch mit Fotos.
So entsteht Schritt für Schritt ein unternehmenseigenes Praxisbeispiel, das sich auf weitere Standorte übertragen lässt und in eure Gesamtstrategie zu Biodiversität, Klimaschutz und Energieeffizienz eingebettet werden kann.
Schau auch diese Blogbeiträge an:
Teil 1: Einführung eigene lokale Biodiversitätsstrategie & -Maßnahmen definieren und umsetzen inkl. Mustervorlagen zum Download
📋 Teil 2: Leitfaden – lokale Biodiversität erfassen & berichten für KMU inkl. Mustervorlagen
Hier erfährst du:
- Welche Excel-Vorlagen dir dabei helfen (Standorte & Flächen, Projekte & Kooperationen)
- Wie du Standorte, Flächen und Projekte strukturiert erfasst
- Wie du deine Daten gleich für gängige Reporting-Standards (DNK, VSME, ESRS-kompatibel) aufbereitest, damit du diese dort anschließend oder zu einem späteren Zeitpunkt einfach integrieren kannst






